Feb 02 • 3 mins read
Story in Project “Marokko”

Der Lampenmacher von Fes.

Das Quartier Hay Bin Souda in Fes ist in Marokko bekannt für seine Lampenmacher. Hicham Hilali ist einer davon und baut in liebevoller Handarbeit seine Messinglampen.

Seine Werkstatt liegt an einer Ecke, genau hinter der Moschee im Fasi Quartier Hay Ben Souda. Den ganzen Tag ist es ein Kommen und Gehen: Schüler in ihrer Weissuniform, Handwerker mit dreckige Kleider auf Fahrräder, Frauen in bunte Djellebas die im Souq einkaufen gehen, ein paar ältere Männer die sich über lustige Ereignisse unterhalten.

Drei üppige Olivenbäume schützen der Eingang Hicham Hilalis Werkstatt. Drinnen wird gehämmert, gesägt und geschweisst. Sieben Männer sitzen an ihrem Platz an der Werkbank, Erdbeerrote Wände herum. Stück für Stück nehmen hier durch ihrer stundenlangen Arbeit die schönste Messinglampen aus ganz Marokko form. Dieses Handwerk ist eine uralte Tradition, ein Wissen, dass von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Der 28-jährige aus Fes kann stolz auf sich sein: Von einem kleinen dunklen Raum im hiesigen Suq hat sich sein Geschäft innert 4 Jahren rasch entwickelt. Heute zählt er 13 Personen, die für ihn arbeiten und hat ein luftiges Atelier, wo die handgefertigten Lampen von A bis Z produziert werden. 

Qualität und Tradition

«Qualität ist mir besonders wichtig», erklärt Hisham. «Meine Werke müssen nicht perfekt sein, sie sind ja handgemacht und nicht mit Maschinen, die das Muster einfach drucken. Jede Lampe ist ein Unikat! Früher habe ich hauptsächlich für Händler aus Marrakesch gearbeitet. Mit der Zeit sind meine Traditionslampen immer beliebter geworden und neue spannende Kunden haben sich für meine Arbeit interessiert: Heute bekomme ich meistens Aufträge für massgeschneiderte Lampen für Riads oder Hotels aus ganz Marokko und sogar vom Staat. Und natürlich für Ayoubs La Caravane!»

Die Arbeitsethik ist für Hicham sehr wichtig: «Ich bin immer korrekt und bereit für das Material einen fairen Preis zu bezahlen. Auch bei der Wahl der Mitarbeitenden ist es mir wichtig, dass es ehrliche und anständige Personen sind, denen die Qualität genauso wie mir am Herzen liegt.»

Vom Stift zum Unternehmer

Hicham wohnt mit Mutter, Vater und seinen drei Schwestern in einer Wohnung in der Nähe des Ateliers in Hay Bin Souda, einem Quartier an der Grenze der Stadt Fes. «Dieses Quartier ist in Marokko landesweit bekannt für seine Lampenmacher», sagt Hicham und stäubt mit der Hand das Goldpulver der Werkstatt von seinen Jeans ab. Er selbst habe mit 16 seine Lehre begonnen, weil seine Familie arm war und er sie unterstützen wollte. Die Leidenschaft für die vielfaltige Herstellung der traditionellen Lampen hat ihn gepackt und nach acht Jahren hat er sich zum Unternehmer hochgearbeitet. Am liebsten mag Hicham die Zeichnung der komplizierten Muster für die Lampen und damit Tradition und Modernität zu verbinden.

Ruhig und gar ein bisschen scheu, Hicham Hilali beaufsichtigt die Produktion der Messinglampen.

Aufwändig und absolut präzise: So entsehen die Messinglampen von Fes

Jeder Handwerker weiss genau was zu tun ist und arbeitet fleissig an der Herstellung seines Kunstwerkes. Es ist eine minutiöse Geduldsarbeit. Denn der Entstehungsprozess einer Lampe ist eine komplexe Sache.

  • Die Lampe wird auf Papier gezeichnet.

  • Die einzelne Musterteile der Lampe werden auf das Metall geklebt und in Form zugeschnitten, genau wie beim Nähen eines Kleides.

  • Danach löchert man die Metallteile dort, wo eine hohle Stelle sein wird, damit der Handwerker weiss, wo er sägen muss.

  • Das Papier wird vom Metall gelöst.

  • Mit kleinen Meisseln stanzt der Künstler die Muster von Hand aus.

  • Mit einem Holzhammer wird das Teil in Form gebracht.

  • Die einzelnen Teile werden in eine Lampe zusammengeschweisst.

  • Die fertige Lampe wird abgeschmirgelt, damit sie eine goldige Farbe nimmt.

  • Danach wird sie mit Wasser, Sand und Seife gewaschen und, auf Wunsch vom Kunden, lackiert.

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