Barbara Zwahlen betreibt einen Bauernhof auf dem Sennenberg in Killwangen. Sommerferien kennt die Landwirtin nicht, denn gerade in der heissen Jahreszeit sie besonders viel zu tun.

Barbara Zwahlen liebt ihren Beruf und könnte nicht ohne die Tiere sein. (Barbara Scherer)

Die Kuhglocken läuten. Noch verhängt Nebel den Berg. Barbara Zwahlen geht mit zügigem Schritt über die nasse Weide: Ganz hinten grasen die Tiere. «Eine Kuh hat ein entzündetes Euter, die muss ich jetzt holen», erklärt die Landwirtin.

Seit acht Jahren führt die 42-Jährige den Bauernbetrieb auf dem Sennenberg in Killwangen (AG). Zuvor hat ihr Vater den Hof gepachtet und schliesslich gekauft.

Hier bleiben Kühe und Kälber zusammen

Die Kühe scheinen keine Lust zu haben, die Weide zu verlassen. Nur langsam trotten einzelne Tiere Richtung Hof. Barbara Zwahlen schnalzt mit der Zunge und stupst die fauleren Tiere mit einem Stock an.

«Die wollen jetzt natürlich nicht rein, in der nächsten Weide grasen alle ihre Kollegen», erklärt Zwahlen und zeigt auf die Weide nebenan. Dort steht der Grossteil ihrer Kühe.

«Diese paar Tiere hier habe ich abgetrennt, weil die Jungtiere noch diesen Monat in die Metzgerei müssen.» Die Kühe auf dem Sennenberg werden für die Fleischproduktion gehalten. Milchkühe, das hat bereits Barbara Zwahlens Vater vor vielen Jahren aufgegeben: Es habe sich nicht gelohnt.

Hier gehört die Kuhmilch den Kälbern. Denn das Fleisch von Barbara Zwahlens Betrieb steht unter dem Schweizer Label «Natura-Beef». «Ich betreibe Mutterkuhhaltung, das heisst, Mütter und Kälber bleiben zusammen, bis die Jungtiere geschlachtet werden.»

Sie hütet Jungtiere von anderen Bauern

Auch sonst will Zwahlen ihren Tieren ein möglichst tiergerechtes Leben bieten. So sind Kühe in den Sommermonaten die meiste Zeit auf der Weide. «Ich nehme zusätzlich Jungtiere von anderen Bauern im Sommer auf.»

Weil das Weideland zu gross ist für ihre 20 Kühe, gesellen sich in den Sommermonaten über 30 Rinder auf die Weiden am Sennenberg dazu. Das sei auch der Hauptgrund, weshalb Zwahlen seit Jahren keine Ferien im Sommer gemacht hat. «Ich trage in dieser Zeit die Verantwortung für die Tiere der anderen Bauern.»

Die Kühe haben den Stall erreicht: Das kranke Muttertier muss in einen Apparat gespannt werden, um das Euter zu desinfizieren. Geduldig hält das Tier hin. Bevor die Kuh wieder zu den anderen kann, erhält sie von Barbara Zwahlen ein paar Streicheleinheiten und einen Apfel. «Ich achte darauf, dass meine Tiere zahm sind und sich anfassen lassen», erklärt Zwahlen.

Zwei Mal am Tag geht es auf die Weide

Bereits als Kind wollte die Killwangenerin Bäuerin werden. Doch die Eltern rieten ihr davon ab: Zu unsicher sei der Beruf. Also lernte Zwahlen Konditorin. Noch heute arbeitet sie auf dem Beruf – besonders in den Wintermonaten. «Wir können das zusätzliche Geld gebrauchen.»

Nachdem ihr Vater den Hof schliesslich kaufen konnte, wollte Zwahlen ihren Kindheitstraum endlich verwirklichen und absolvierte die Bäuerinnenschule im Kloster Fahr.

Zwahlen macht sich wieder auf den Weg Richtung Weide: Jetzt müssen noch die restlichen Kühe begutachtet werden: Zweimal am Tag kontrolliert die Landwirtin die Tiere auf Verletzungen und Krankheiten.

Sommerabende sind fast wie Ferien

Stets mit dabei ist Hündin «Alfa». Sie hilft auf dem Hof mit. Und damit Barbara Zwahlen auch mal weg von ihren Kühen kommt, geht sie regelmässig mit der Hündin in die Hundeschule.

«Es sind lange Arbeitstage und es ist anstrengend, aber ich könnte nicht mehr ohne die Tiere sein. Ich liebe meinen Beruf.» Barbara Zwahlen lächelt und tätschelt die Kuh «Gazania»: eine ihrer Lieblinge.

Für den Beruf gibt die Landwirtin aber gerne ihre Freizeit und Ferien her. Denn: «Wenn ich nach einem langen Tag im Sommer auf dem ‹Feierabendbänklein› sitze und die Kuhglocken höre, ist das auch wie Ferien für mich.»