Jan 20 • 4 mins read
Story in Project “Kultur.”

Frances Bean Cobain: das Fix-it-Baby mit den K.C.-Jeebies

«Sit an drink Pennyroyal Tea.»

Die 22-jährige Tochter von Kurt Cobain spricht anlässlich des Releases von «Montage Of Heck» (2015) zum ersten Mal offen über ihre schwierige Beziehung mit einem Vater, an den sie sich nicht einmal erinnern kann.

«People look at me, and you can see they’re looking at a fucking ghost», gesteht Frances beim Interview mit dem Rolling Stone (welches übrigens von David Fricke geführt wurde). Die 22-Jährige, die sich nie wirklich öffentlich über ihren Vater geäussert hat, trägt die Rolle des Executive Producer im ersten offziellen Kurt-Cobain-Dokumentarfilm «Montage Of Heck». Dank der Social-Web-Evolution gewährt die vielfach als introvertiert beschriebene Frances einen Einblick in ihr Privatleben: Obwohl sie auf Facebook mit einem Pseudonym auftritt und dieses ständig wechselt, interagiert sie auf Twitter (@alka_seltzer666) vielfach mit ihren Fans. 宇宙魔女 (Space Witch) with a sleepy conscious. visual artist. Horror Movies Enthusiast. Bookworm. supernatural favors & voodoo vibes. Don’t make it weird. Mit diesen Worten beschreibt sich die Cobain-Tochter in der Twitter-Bio. Sie werde noch dieses Jahr eine Website eröffnen, um ihre Kunst zu verkaufen, antwortet sie auf die unzähligen Tweets ihrer Fans.

Nun, wer ist Frances Bean Cobain? Was hat sie mit ihrem verstorbenen Vater gemeinsam? Ist es spooky, dass sie dieselben Augen hat? Welchen (negativen) Einfluss hat eigentlich ihre Mutter auf sie? War sie wirklich das Fix-it-Baby, um Kurt und Courtney die erste richtige Familie zu ermöglichen? Und ist es rücksichtslos von uns, all diese Fragen zu stellen? Im Interview mit dem Rolling Stone wird klar, dass Frances ihre Wurzeln und die Vergangenheit nicht einfach ausblenden kann. «People have a right to know», wäre für mich definitiv eine pietätlose Aussage. Wie sie selbst klar stellt, ist sie zwar der Cobain-Sprössling, führt aber ihr eigenes Leben. Nicht das von Kurt. Nicht das von Courtney (glücklicherweise). Die Aussage, sie fände die Musik von Nirvana gar nicht cool, zeigt mir aber ganz deutlich, dass Frances sich zweifellos mit ihren Wurzeln befasst. Auch wenn sie im Interview mit David Fricke zuerst verneint, dass «Montage Of Heck» ihre Beziehung zu ihrem Vater verändert habe, hat sie trotzdem in einem E-Mail an Regisseur Brett Morgan geschrieben, «…how the film was liberating.»

Vielfach geht bei der Story von Frances vergessen, dass sie nicht nur die Tochter von Kurt ist, sondern auch von Courtney Love. Ohne Vater aufgewachsen und Dank der Drogenabhängigkeit ihrer Mutter in der Familie herumgereicht. Über die nicht ganz einfache Beziehung zwischen Tochter und Mutter haben die Medien in den letzten 20 Jahren viel geschrieben. Für eine gewisse Zeit wurde Courtney das Sorgerecht entzogen – für eine gewisse Zeit sprach Frances nicht mehr mit ihr. Doch gerade für das «Montage Of Heck»-Projekt scheinen sich die beiden wieder näher gekommen zu sein. Oder so lassen sie es auf jedenfall öffentlich verlauten: «We have resolved a lot of our issues. I grew up. And she grew up too.»

Die frappante Ähnlichkeit zu Kurt ist das, was mich einerseits beschäftigt aber auch fasziniert: Obwohl Frances ihren Vater nie gekannt hat, verbindet die beiden die künstlerische Kreativität. Obwohl Frances ihr eigenes Leben führen will, hadert sie zwischen Bereitschaft für Einblicke in ihr Privatleben und absoluter Verschwiegenheit (Kurt hatte die selben Probleme). Auch wenn Frances bestimmt einfach in Ruhe gelassen werden will, wird die Medienwelt immer wieder einen Blick auf die 22-Jährige werfen. Ich stelle mir vor, dass der ewige Kampf zwischen Individualismus und der Vergangenheit für Frances eine riesige Herausforderung ist. Und teilweise fühle ich mich schuldig, ein Teil davon zu sein. Kurt war vor über 20 Jahren mein Idol – jetzt verfolge ich die Stimme seiner Tochter im Social Web. Wenn Frances‘ offizielle Website mal online ist, werde ich mich dort sicher umsehen. Ich muss zugeben, dass auch ich die K.C.-Jeebies hätte, wenn ich Frances mal begegnen würde.

Oder in Frances‘ eigenen Worten: «I’ll never escape how gigantic Kurt is. And that’s OK. I accept that.»

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